Endzeitmarketing oder Globalisierung 4.0? Was Wirtschaftsforscher über unsere Zukunft wissen.
Mittwoch, 17. Jun 2009 9:48 von Det Mueller

Christiane Friedemann, die Geschäftsführerin des ZukunftInstitutes von Matthias Horx, schrieb mich dieser Tage an und machte mich auf einen Artikel in Spiegel-online aufmerksam. Dort liest man zur Zeit Auszüge aus einer neuen Zukunfts-Studie des Institutes, über die Wirtschaft unseres Landes in absehbarer Zeit. Und die sieht gar nicht schlecht aus…
Hat man noch, und mich eingeschlossen, vor vielen Jahren über Zukunfts- und Trendforscher geschmunzelt, als orakelnde Wirtschaftsweise, so sollte man sich doch spätestens seit Faith Popcorns wegweisendem Buch “Der Popcorn Report” (1991, Heyne Sachbuch) ernsthaft mit Prognosen auseinandersetzen, denn - sie sind fast alle eingetroffen! Sie schrieb vor 18 Jahren (!), wer zukünftig Geld verdienen will, muss es schaffen, die Hürden der Cocooning Zielgruppen zu durchbrechen. Sie meinte damit den damals aufkeimenden Trend wohlhabender Schichten, sich abzusetzen, in die eigenen vier Wände. Und schaffen könnten das Firmen, die neue Ideen entwickeln. Diese Ideen sind heute schon fast altbacken aber real: nämlich die Bringservices und die Homeshopping-Versender. Das Buch steckt voller wunderbarer Ideen - ich habe es seinerzeit verschlungen - und viele, ganz viele dieser Visionen sind eingetroffen.
Nachdem ich jetzt eine Lanze für seine Zunft gebrochen habe, zurück zu Matthias Horx und seinen Mitstreitern. Auch die schreiben seit vielen Jahren die tollsten Zukunfts-Studien und Bücher. Und vieles davon hat sich bestätigt. Dr. Eike Wenzel hat sich beispielsweise sehr früh und intensiv mit LOHAS und seinen soziologischen wie marktrelevanten Folgen beschäftigt. Gerade erst erschien sein Buch, gemeinsam mit Anja Kirig “Bewusst grün - alles über die neuen Lebenswelten Lohas“. Die sind ja für viele Wirtschaftsführer immer noch blanker Unsinn, weshalb viele meiner Leser hier auf muellersBlog lesen und nicht “rübermachen” zum Lohas-Blog. Was ich sehr bedauere, denn jene werden sich noch wundern, wie sehr Lohas unsere Welt moralisch, ethisch und wirtschaftlich verändert.
In einer neuen Analyse geht es um die aktuelle Krise und ihre Auswirkungen auf die Zukunft. Der Hammer ist, das ZukunftsInstitut sagt: “Alles übertrieben! Die Krise ist weder sensationell noch historisch außergewöhnlich”, so das Ergebnis des Zukunftsinstituts. Wie im persönlichen Leben von Zeit zu Zeit Krisen auftreten müssen, damit Menschen sich weiterentwickeln, gebe es auch im Finanz-System Sollbruchstellen, wie etwa die Immobilienkrise, heißt es da. Finanzblasen seien so alt wie das Geldsystem selbst - regelmäßig würde in der realen Wirtschaft ein Sprung in eine höhere Ebene stattfinden. Globalisierung 4.0!
Die Wirtschaftskrise als reinigendes Gewitter also, als Beschleuniger für einen überfälligen Wandel? Wie der genau aussehen könnte, das analysieren die Autoren Matthias Horx, Oliver Dziemba und Eike Wenzel anhand einer Matrix von acht wirtschaftlich und gesellschaftlich wichtigen Bereichen. Sie fragen, wie Menschen künftig arbeiten, was sie konsumieren, wie sie einkaufen, was ihnen wichtig ist, welche Werte gefragt sind und worauf Firmen in Zukunft achten müssen, um ihre Produkte zu verkaufen.
Ein spannender Wirtschaftsbeitrag in mehreren Teilen, den Sie hier vollständig lesen können und sollten. Zukunft macht Mut.
Bleiben Sie wertschätzend erfolgreich: Ihr Det Mueller
Paid Photo © fotolia; muellerkonzept 2009

Hallo Det,
anscheinend sind die Mittelständler die besten Zukunftsforscher. Die haben schon lange nicht verstanden, warum es jetzt eine Weltuntergangsstimmung gibt. Wir machen den Fehler, uns zu sehr von den großen Unternehmen ins Boxhorn zu jagen.
Und übrigens die Zukunftsstudien sind auch meist nur für Großunternehmen interessant. Denn Kleinunternehmen sind erfolgreich, weil sie sich Nischen suchen und nicht unbedingt, weil sie Trends hinterherhächeln, die in tausend Medien schon durchgehächelt wurden.
Zudem finde ich es nicht mehr zeitgemäß, dass für Studien Geld verlangt wird, sondern nur noch für individuelle Handlungsempfehlungen. Insofern wird es Zeit, dass es Zukunftsforschung 2.0 gibt.
Gruss
Burkhard