Der Grafik-Designer-Coach Horst Roggenkamp ist tot.
Freitag, 6. Mrz 2009 16:17 von Det Mueller

Entsetzen packt einen Blogger, wenn man einen Bekannten anrufen will, hat dessen Nummer verlegt und schaut auf seiner Website nach, um sie zu finden und entdeckt völlig unvorbereitet eine solche Anzeige (Trauerflor habe ich hinzugefügt). Horst Roggenkamp, der Coach für Designer und Fotografen ist bereits im November gestorben, seine Frau hatte aber erst vor wenigen Wochen diesen Hinweis veröffentlicht…
Ja ich kannte ihn. Nicht gut aber doch sehr intensiv. Wir haben uns in Hamburg getroffen, in seinem schönen Büro, edles Hamburg Ambiente mit Designelementen der Achtziger Jahre und wir haben unzählige Male telefoniert. Wir sind beide 1952 geboren und auch er hat Grafik Design studiert. Irgendwann hat der diesen Beruf an den Nagel gehängt und auf meine Frage zu mir gesagt “Wenn der Tag kommt, an dem man selbst feststellt kein guter Designer mehr zu sein, sollte man es einfach lassen”. Er hat es konsequent und authentisch durchgezogen, mit gutem Grund. Er hatte nämlich erkannt, dass er ein viel größeres Talent hatte, nämlich Kollegen zu coachen und sehr gut zu beraten.
Seit vielen Jahren stellte er fast täglich in Blog Manier seine Beiträge ins Netz. Nur war das gar kein Blog, sondern ein, von ihm ausgedachtes Diary auf Basis einer klassischen Website. Von Blogs sprach damals noch niemand. Hier kann man in mittlerweile 1448 Beiträgen seine bissig, ironische, aber immer excellent faktenorientierte Kritik am Zeitgeschehen des Designlebens nachlesen. Verbunden mit Tipps und Ratschlägen, die er auch in komplexer Form als Coaching für Designer angeboten hat. Vor 6 Jahren schrieb er über mich eine Beurteilung meiner unruhigen Vita, die sich aus seiner Feder dann anhört wie eine kalkulierte Erfolgsgeschichte (kann man auf meiner Homepage nachlesen).
Spitzbübisch aber auch tosend wortgewaltig war er, besonders, wenn es um seinen Lieblingsfeind - unseren ursprünglich gemeinsamen Berufsverband AGD - ging. Hier störten ihn immer die merkwürdigen Verflechtungen, Vorgänge im Bundesvorstand und interne Querelen. Er deckte so manches auf, was dem Verband sicher nicht gefallen hat. Noch letztes Jahr wollte er selbst einen besseren Verband gründen. Er war ein Mann, im Stile eines Herbert Wehner, etwas altbacken in seiner Erscheinung, aber hellwach und absolut kämpferisch im Kopf, wenn es um die Sache ging.
Ich bin erschüttert und sehr sprachlos. Ich habe ihn gemocht, auch oder gerade weil wir nicht immer einer Meinung waren. Menschen, die ihren Mund aufmachen und sagen “was Sache ist”, getragen von Sprachbegabung und Intelligenz haben wir ohnehin zu wenige in diesem Land.
Horst Roggenkamp war so einer!
Mein tiefes Beileid mit großem Respekt: Detlef Mueller

Treffender als Sie, sehr geehrter Herr Müller, könnte man den “Typen” Roggenkamp in so wenigen Worten wohl kaum beschreiben. Ich hatte die Ehre und das Vergnügen, mit ihm zusammen arbeiten zu dürfen und – daraus resultierend – seit über 20 Jahren mit ihm befreundet zu sein.
Sein Tod bedeutet auch für mich einen schmerzlichen Verlust, obwohl er ihm seit Bekanntwerden seiner Erkrankung mit klarem Blick und den von Ihnen erwähnten Eigenschaften entgegen gesehen hat. Auch dafür genießt er meine Bewunderung.
Leider hat keine offizielle Trauerfeier stattgefunden, so dass sich keiner seiner Freunde und Bekannten, in deren Leben er unvergessliche Spuren hinterlassen haben dürfte, von ihm verabschieden konnte.
Lieber Kollege Müller, auch ich habe Horst Roggenkamp so in Erinnerung, wie Sie ihn so trefflich beschrieben haben. Im März 2007 habe ich ihn persönlich kennen gelernt, auf diese Beratung folgte dann das Konzept und die Texte für meine Website. In 2008 habe ich noch einige wenige Male mit ihm telefoniert und war beeindruckt und ergriffen von der Art und Weise, wie er mit seiner Krankheit umging. Leider habe ich dann den Kontakt verloren. Als ich im Februar die Nachricht über den mind-line-Kontakt erhalten habe, wurden meine Befürchtungen leider bestätigt.
Danke Horst Roggenkamp für deinen Spirit.
Liebe Kollegen, auch mich hat Horst Roggenkamp über viele Jahre begleitet. Seit Beginn meiner Selbständigkeit vor über 15 Jahren hat er mich regelmäßig - damals noch als “reiner” Grafiker - tatkräftig unterstützt und auch manch herbe Kritik nicht gescheut. Ein Glück, denn seine wunderbare Art hat mir sehr beim Vorankommen geholfen.
Wissend von seiner schweren Krankheit und fasziniert von seinen jährlichen traditionsreichen Neujahrkarten habe ich ihn zuletzt am 10. November 2008 getroffen. Wir haben die vielen Jahre der Zusammenarbeit Revue passieren lassen; trotz der traurigen Umstände ist seine bissige und ironische Art in keiner Weise verloren gegangen.
Ich habe ihm angeboten, seine Neujahrskarten-Tradition in seinem Stil fortzusetzen, was ihn sehr erfreut hat. Alle seine alten Karten habe ich in gewohnter, perfekt vorbereiteter Weiser von ihm als Basis erhalten und schon Anfang dieses Jahres ging die 1. Karte im Alten-Neuen-Look an unsere Kunden.
Leider habe ich erst heute dank Google und diesem Blog die Information über seinen Tod im Nov. 2008 erhalten. Gerne würde ich persönlich an seinem Grab Abschied nehmen. Hoffentlich erfahre ich irgendwann, wo ich dieses finden kann.
Danke, lieber Herr Roggenkamp! Sie werden mir immer in Erinnerung bleiben.