Feb 17 2009
Finden Sie einen Nadelstreifen der seine Fehler einsteht und schnell optimiert was funktioniert. Dann überleben Sie!
Jürgen Heinz, geschäftsführender Gesellschafter der prosperierenden Schmuckfirma TeNo aus Pforzheim und guter Blogfreund, hat mir ein erstes “Stöckchen” 2009 zugeworfen [unter Bloggern ein beliebtes Mittel, Kollegen in eine öffentliche Diskussion einzubinden. Auch gerne Blog-Karneval genannt].
Die Fragestellung zur Ausgangs-Diskussion (auf dem KMU Marketingblog von Frank Baermann) lautet, ob Marketing ein effektives Mittel gegen die Krise sei oder nicht? Sollen Unternehmen ihre Budgets für Werbung und Marketing streichen, einfrieren oder weitermachen wie üblich?
Hier meine Antwort…
Jürgen selbst beantwortet für sein Unternehmen die Frage auf dem TeNo Blog so: “Wir gehen in diesem Jahr mit einem neu strukturierten, aber nicht reduzierten Budget an den Start.” Eine sicher positive und vorausschauende Einstellung, wie sie besser kaum sein könnte, weil sie optimistisch ist. Und weil TeNo sehr viele andere Menschen in ihre Erfolge mit einbindet (social) und mit immer neuen, verblüffenden Massnahmen und Events ihre Kunden und ihre Leads (vermutete Produktinteressenten) gleichermaßen überrascht. Neben guten Produkten wird hier also auch ein vorbildliches Marketing realisiert. Natürlich besteht dann mit dieser Grundhaltung genügend Raum für Optimismus! Und Handlungsfreiheit für operative Flexibilität!
Bei vielen Großen scheint mir fehlende Flexibilität aber genau der Knackpunkt. Ob sie Märklin, Schiesser, Rosenthal oder sonst wie heißen. Zahlreichen, guten Marken ist in ihren besten Zeiten der Sinn für die neue, marktwirtschaftliche Realität abhanden gekommen: Produkte für sich ständig verändernde Menschen zu machen! Wer nur auf Dividenden, Gewinne und Boni schielt, sich selbst dabei unfehlbar fühlt und arrogant auf Markt und Leads schaut, hat kaum eine echte, langfristige Chance. Haben Sie von jenen jemals z.B. eine packende Guerilla Aktion erlebt? Oder eine wertschätzende Werbeaussage gelesen? Sicher nicht! Denn bevor Sie je einen Nadelstreifen finden, der seine Fehler zugibt, gründen Josef Ackermann und Hartmut Mehdorn gemeinsam eine spirituelle Bewußtseinswerkstatt. Da wette ich! Business as usual ist aber Business von gestern. Und das rächt sich in Krisen.
Die Klein- und Mittelstandsunternehmen (KMU) haben es da einerseits leichter, andererseits trifft es sie im Krisenfall noch härter. Kein Paradox: Leichter meint hier, die unmittelbaren Auswirkungen von Fehlentscheidungen viel schneller korrigieren zu können, weil die administrativen Mechanismen unmittelbarer greifen. Schwerer haben sie es aber im Umgang mit Banken und Investoren, falls der Kahn mal leckt oder Innovationen “hergezaubert” werden müssen, die Geld kosten bevor sie es wieder einbringen. Milliarden für Großunternehmen ja, aber Steuergeld für KMUs gibts (fast) nicht. So ist Deutschland. Die vielseitige Kreativität der KMU zeigt aber jetzt seine besondere Kraft: schnell optimieren was funktioniert und genauso schnell verändern, was blockiert. TeNo ist da ein hervorragendes Beispiel und viele andere auch, die nämlich in der Krise eine gute Chance zur Selbstheilung sehen.
Klassisches Marketing hin oder her, was alle Beteiligten unmittelbar vereint, ist die Tatsache, dass überall Menschen die Prozesse steuern. Und Menschen haben Köpfe, die denken können und Seelen die fühlen wollen. Es geht also für mich in erster Linie nicht darum, alte Gewohnheiten im Marketing “nur” zu ändern, sondern grundsätzlich neues Denken zu fördern. Endlich zu verstehen, dass die Evolution auch im Markt existiert. Überleben können nur die Starken sagt Darwin, aber er meint auch besonders jene, die die besondere Fähigkeit zur Anpassung haben. Anpassen heißt, sich auf Neues einstellen. Fürs Geschäft kann das bedeuten, eigeninitiativ auch neues Verhalten zu kreieren. Mit Blick auf die Menschen und deren echte Bedürfnisse. In übersättigten Märkten kann nur gewinnen, wer anders gut ist und uns ganz anders klar macht, warum wir sein Produkt oder seine Dienstleistung beanspruchen sollten. Größe allein, im Sinne von Stärke kanns nicht sein. Sonst wären die Saurier, die Mammuts oder anderen Riesen nicht ausgestorben. Aber das sind sie deshalb, weil sie sich nicht anpassen konnten, an die veränderten Rahmenbedingungen. Denken Sie mal!
Herzlichst: Det Mueller
Ich leite das Marketing Stöckchen grinsend weiter an:
Wolff Horbach, Jörg Weisner, Alexander von Keyserlingk, Dr.Michael Gerharz, Sebastian Backhaus, und Thomas Winterstetter. Danke. Bitte!
3 Kommentare

Präsentieren in Zeiten der Krise…
Ob es in Krisenzeiten sinnvoll sei, Marketing zu verstärken oder zu verringern, wurde ich im Rahmen einer Blog-Diskussion von Designer Det Müller gefragt, der mir dieses sog. Stöckchen „zuwarf“….
Herr Müller, Ihren Punkt mit der Flexibilität, finde ich sehr wichtig und treffend.
Mann kann das gut erkennen, wenn man die Werbung / Marketing von großen Banken mit der Quirin Bank vergleicht. Die einen haben ein traditionelles kundenfeindliches Provisionsmodell, die anderen ein modernes kundenfreundliches Honorarmodell. Beide bieten in der Konsequenz völlig andere Produkte an. Ergebnis Quirin Bank gegen den Branchentrend 2000 neue Kunden gewonnen und im Durchschnitt 6% pro Portfolio erzielt. Letzteres schlachten Sie in ihrer aktuellen Werbekampagne seit dieser Woche aus.
Ich denke ein hervorragendes Beispiel für Ihre These, das gerade in Krisenzeiten die kleineren mit wertschätzenden Angeboten und mutigem Marketing ihre Marktanteile ausbauen können. Was meine Sie?
Beste Grüße,
Michael Franz
www.michaelfranz.de
@ Dr. Franz
Nun, ich bin kein Bänker und kenne auch die Bank Ihres Beispieles nicht, aber die Haltung bzw. die richtige Aktivität zur rechten Zeit spricht natürlich Bände. Gerade in Krisen, wo alle meist als erstes den Schwanz einziehen, ist mutige “Andersmacherei” - nicht als blinder Aktionismus natürlich - sehr oft von Erfolg gekrönt, weil man überhaupt etwas unternommen hat (während sich die Anderen vom Acker machten). Wenn aber die Krise grundsätzlich zu bewußtem Umdenken zwingt, ist der Erfolg meist tatsächlich schon vorprogrammiert. Dieses Phänomen “volle Bauchlandung mit großem Lerneffekt” habe ich schon bei vielen Menschen beobachtet und auch selbst durchgemacht. Es scheint so, dass häufig der “Aus-der-Bahn-Geworfene” im wahrsten Sinne zu “neuer Besinnung” kommt, die meist sogar zu anderen Produkten, Geschäftsfeldern oder sogar zu völlig anderen Betätigungen führen kann.
Danke für Ihren Kommentar!
Herzlichst Det Mueller