Sep 05 2008

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Det Mueller

Führungskräfte sind nur so gut, wie die Gesellschaft, aus der sie kommen.

Abgelegt 21:15 unter News

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Vor einigen Tagen habe ich an dieser Stelle, die neue, von mir konzipierte Website des schweizer  SinnCoach Zsolt Joanovits vorgestellt, der als Business Coach für leitende Manager seit Jahren im deutschsprachigen Raum erfolgreich unterwegs ist. Dabei geht es fast immer um Burn- oder Bore-Out Phänomene von gestressten Unternehmensführern, die den Sinn in ihrer Aufgabe oder gar in ihrem Leben kurzfristig verloren zu haben glauben. Rückkehr der Manager-Krankheit oder Zeit für “Higher Ground Leadership“?

Heute lese ich einen Gast-Post im Düsseldorfer Business Club-Bloginnovativ in“  von Markus Albers, einem Journalisten und Autor des Buches “Morgen komm ich später rein“, der - so könnte man fast meinen -, die Hintergründe liefert, warum Manager und Mitarbeiter heute so erhebliche Probleme haben, ihre Arbeit zu lieben und darin einen befriedigenden Sinn zu finden…

In seinem Beitrag “7 Ursachen, warum man im Büro nicht arbeiten kann” kommen doch scheinbar einfache, wie bewegende Fakten zu Tage, die allerdings im Einzelfall heftige Probleme auslösen können. In der Kurzform liest sich das so:

  1. Ablenkung durch immer neue Dinge, die unsere Aufmerksamkeit erfordern.
  2. Meetings ohne Sinn und ohne Ende.
  3. Mitarbeiter, die uns ständig ablenken und von der Arbeit abhalten.
  4. Arbeitsweg der uns stundenlang auf die Straße zwingt, statt produktiv zu sein.
  5. Atmosphäre die eher depressiv als kreativ macht.
  6. Ausstattung die wir heute nicht mehr brauchen.
  7. Langeweile: Viele leiden heute unter Bore-Out. Ist fast genau so schlimm wie Burn-Out.

Besonders deutsche Männer sehen sich ja immer gerne als “harte Kerle” und wollen die schleichenden Anzeichen nicht wirklich wahrhaben, die sie sich selbst als “Ich bin doch kein Weichei” oder “Warmduscher” von der inneren Festplatte fegen: Depressison, Gewichtszu- oder abname, Impotenz, Schlafstörungen, Gereitzheit u.v.m. bis hin zur Selbsterniedrigung, Selbstaufgabe oder gar Selbsttötung. All diese Faktoren sind ernst zu nehmen und wahrlich kein “Spielball großer Jungens”. Wandern solche Faktoren in die ganz hohen Etagen, kommen die bekannten Fehlentscheidungen deutlich zum Vorschein, die immer häufiger durchs TV oder die Bücherwelt geistern (erinnere nur an den Titel “Nieten in Nadelstreifen”). Kein Wunder, wenn Manager nicht mal mehr Vertrauen zu Managern haben: “Ganze 70 Prozent der Manager sorgen sich bei einem Jobwechsel, ob Zusagen aus Vertragsverhandlungen auch tatsächlich eingehalten werden” (Details auf Blog Faktor-G).

Wie schön, dass die noch junge Generation der “Kulturell Kreativen” andere Werte kennt, als den teuren Firmenwagen oder die lockende Beförderung. Wertschätzung schenken viele lieber der Familie und den Freunden, als einer Firma, die es ja häufig auch gar nicht mehr verdient hat. Noch bevor man die legendäre “Goldene Uhr” zur Pensionierung bekommen würde, ist man heute längst mehrfach gekündigt oder die wunderbare Weltfirma hat selbst längst Pleite gemacht. Das Ziel kann also nur sein, sich selbst seine eigenen Werte zu schaffen oder in den Dienst einer werteverbindenden Gemeinschaft zu stellen, wie sie die Kulturell Kreativen (LOHAS ist nur der Marketingbegriff für diese) leben wollen. Ob durch nachhaltiges Denken und Handeln, wertschätzenden Umgang mit anderen Menschen und auch gelebter Spiritualität, geht der positive, gesamtgesellschaftliche Paradigmenwechsel bedeutsam voran.

Die Zeichen stehen deutlich auf Veränderung. Auch wenn sie von vielen Menschen kaum beachtet werden, weil sie im täglichen Überlebenskampf nichts mitkriegen oder nichts mitkriegen wollen. Erstaunlich wäre für jene dann doch, dass Nachhaltigkeits-Plattformen und LOHAS-Foren wie Pilze aus dem Boden wachsen. Allein das Netzwerk Utopia hat in 10 Monaten weit über Zwanzigtausend Community Mitglieder gewinnen können. Oder etwa das Frankfurter Werteportal Bizzlounge, konzipiert als wertschätzende Alternative zu Xing, öffnet auch in diesen Tagen seinen Relaunch der Plattform und erwartet hohe Mitgliederzahlen. Hier gibt es nach kostenloser Anmeldung, neue Informationsquellen (integrierte Fach Blogs) und spannende Netzwerk-Features, für Menschen mit anderen Wertvorstellungen.

Schauen Sie einfach genau hin:77 Wege zum Glück” von Wolff Horbach oder “Alles ist gesagt. Jetzt braucht es Beipiele.” vom Altmeister der Kulturell Kreativen Karl Gamper, werden Bestseller oder verkaufen sich wie warme Semmeln. Unternehmensberater wie Alexander von Keyserlingk propagieren den “Slowretail“. Junge Menschen sorgen sich um die Zukunft und gründen Firmen wie armedangels (Köln), true fruits (Bonn), pick-a-pea (Köln), um nur einige zu nennen. Erfolgreiche Wissenschaftler “kippen um” und entschleunigen ihr Leben, wie der neue Kultspeaker Eckhart Tolle, dessen DVDs sich millionenfach verkaufen. Warum? Weil Bedarf da ist, Bedarf an Wegen auf der Suche nach einem besseren Leben. Jeder für sich selbst und doch gemeinsam für uns alle und die, die nach uns kommen.

Fazit: Nach der Überflussgesellschaft und der damit verbundenen Erkenntnis, das Besitz und Wohlstand allein nicht glücklich machen und Massenproduktion oder boomende Globalwirtschaften eher unsere Welt ruiniert haben, beginnt jetzt offenbar das Zeitalter der inneren Einkehr und Besinnung auf wirkliche Werte. Führungskräfte sind nur so gut, wie die Gesellschaft, aus der sie kommen. Also fangen wir an und ändern wir gemeinsam unsere Sozialutopien in eine reale Zukunft. Lassen Sie uns alle inspirierende Vorbilder werden. Jeder auf seinem Gebiet. Heute. Jetzt.

DET MUELLER

Wir wünschen uns bewusst handelnde Führungspersönlichkeiten, die nicht einfach das tun, womit sie durchkommen, sondern anderen mit Liebe und Respekt begegnen und ein inspirierendes Leben verkörpern.- Lance Secretan -

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3 Kommentare

3 Kommentare to “Führungskräfte sind nur so gut, wie die Gesellschaft, aus der sie kommen.”

  1. Roland Kopp-Wichmannam 6. September 2008 um 09:06 1

    Ich drehe Ihre Headline mal um: “Eine Gesellschaft ist nur so gut wie die Führungskräfte, die sie leiten.” Führungskräfte nicht nur aus der Wirtschaft, sondern auch aus Politik, Kultur etc.
    Die Sinnfrage treibt meiner Erfahrung nach immer mehr Menschen im Beruf um. Neben den von Ihnen genannten sieben Gründen erlebe ich in meinen Seminaren auch noch eine andere Ursache: eine falsche Berufswahl. Falsch im Sinne, dass man Delegation der Eltern unbewusst übernommen hat oder einen der eigene Anspruch auf einen Karriereweg treibt, auf dem man dann nach einiger Zeit merkt, dass einem der Preis zu hoch wird.
    Zum Glück gibt es aber auch immer mehr Beispiele - Sie nennen einige - dass ein Umsteigen jederzeit möglich. Natürlich hat das dann einen anderen Preis.

  2. Det Muelleram 7. September 2008 um 14:37 2

    @ Roland
    Freue mich immer über neue, aktive Leser - herzlichen Dank für Ihren Beitrag.
    Sie bringen da einen interessanten, neuen Aspekt ein, nämlich die falsche Berufswahl. Mir scheint es manchmal so, als ob 50% aller deutschen Berufstätigen diesem fatalen Fehler erlegen seien. Anders ist die ständige Unzufriedenheit in den Mienen nicht zu erklären. Dabei geht es vorwiegend gar nicht ums Einkommen, sondern nur um das tägliche Tun. Wer seine Arbeit liebt und dennoch wenig verdient, wird das sicher besser wegstecken, als umgekehrt. Womit wir wieder beim Sinn angekommen sind - der ist wohl für die Meisten so enorm wichtig und gleichermaßen so schwer zu finden. Es dauert lange, bis man verstanden hat, dass man nur selbst diesen Sinn bestimmen und dann leben kann. Bei mir waren es fünfzig Jahre und ich lerne täglich weiter…

    Det Mueller

  3. Zsolt Joanovitsam 7. September 2008 um 14:48 3

    Gerade hatte ich selber über Mobbing und Bossing einen Artikel geschrieben “Mobbing ist Chefsache”, als ich diesen Text fand. Unter den “7 Ursachen, warum man im Büro nicht arbeiten kann” möchte ich eine herausgreifen, die mir am Herzen liegt:

    3. Mitarbeiter, die uns ständig ablenken und von der Arbeit abhalten.

    Für den Mitarbeiter im Team ist das eine Frage der Organisation und der Verständigung mit den Kollegen. Für den Vorgesetzten aber ist es eine Notwendigkeit, sich seinen Leuten zuzuwenden. Wie soll er sie denn führen können, wenn nicht indem er sich um sie kümmert? Wenn er das nicht will, kann er nicht wirksam führen. Und ein Teil seiner Führungsaufgabe besteht darin, das Vertrauen zu den Mitarbeitern so weit zu stärken, dass er mit ihnen ihre Probleme besprechen kann. Zum Beispiel das Problem, dass sie von Anderen ständig abgelenkt werden. Und er muss ihnen dabei beistehen, effektiv arbeiten zu können. Ist ja schließlich sein Job.
    Wir können es also drehen, wie wir wollen: Auch die Produktivität der Mitarbeiter ist Chefsache.

    DER S!NNCOACH
    *und ja natürlich: es sind immer sowohl die Frauen als auch die Männer gemeint*

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