Burdas Fehleinschätzung: IVY World gibt auf.
Donnerstag, 31. Jul 2008 19:35 von Det Mueller

“Der Markttest von Burdas ambitioniertem Lifestyle-Projekt “Ivyworld” ist beendet. Das Ergebnis fällt für die Macher wenig erfreulich aus. Der Verlag stampft “Ivy”, das aus einem Online-Angebot als Kern-Objekt und einer flankierenden Zeitschrift besteht, ein. Mit “Ivy” wollte sich der Verlag die derzeit schwer im Trend liegende Zielgruppe der sogenannten Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability) angeln, die zwar hedonistische Züge haben, dabei aber auf einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil Wert legen.“
Nicht gut, für den Fortschritt des LOHAS Gedankens. Allerdings muss ich einräumen, selbst als LOHAS Experte, habe ich nur das allererste Magazin gelesen, und auch nur deshalb, weil ein Hamburger Freund feststellte, dass IVY mich zitiert hatte. Ich orientiere mich mehr an den Online Angeboten, das geht schneller. Allerdings finde ich es falsch und schade, nach nur einem halben Jahr dieses komplette Angebot (Print und Online) schon wieder aufzugeben…
Ich glaube nämlich ganz und gar nicht, dass die LOHAS Bewegung auf dem Rückzug ist, sondern eher, das Burda zu kurzfristig dachte und offenbar nur an schnellen Erfolg geglaubt hat. Jedes neue Magazin hat es schwer und braucht seine Entwicklungsphase. Das sollte man einem Mega-Verlag nicht sagen müssen. Großartige Werbung für das Magazin habe ich jedenfalls gar nicht mitbekommen. Hat die Marketingabteilung bei Burda einfach nur geschlafen und will ihr planerisches Versagen jetzt den LOHAS in die Schuhe schieben?
Ganzen Artikel auf medienmagazin.de lesen, hier <<< Und stören Sie sich bitte nicht, an den vielen Schreibfehlern des Redakteurs Jochen Voß. Der hält vermutlich LOHAS für den Plural von LOHA und hat gleich deshalb in der Headline das “S” ganz weggelassen. Zeigt aber auch sein Verständnis für die Sache. Das “S” steht ja für Sustainability - also für die Nachhaltigkeit und ist einer der wichtigsten Eckpfeiler im LOHAS System. Über die anderen Fehler ärgere ich mich nicht. Das scheint ein Zeichen der Zeit zu sein und perfekt bin auch ich nicht…:::

Ich halte das auch für eine gewaltige Fehleinschätzung von Burda. Das ist aber typisch für heutiges Management-Denken: Alles, was nicht nach ganz kurzer Zeit Gewinn bringt, wird über Bord gekippt. Das ist genau das Gegenteil von nachhaltigem Denken und Handeln.
Es gibt natürlich noch eine andere Möglichkeit: Es braucht keine spezifischen LOHAS-Zeitschriften, -Plattformen, -Blogs
, sondern der Gedanke des gesunden Lebensstils mit nachhaltigem Handeln wird Allgemeingut und findet sich überall wieder. Das wäre natürlich das Beste. Aber bis dahin ist noch ein langer Weg.
Man merkt schnell, ob es ein Unternehmen ernst meint oder nicht. Man kann eben nicht in kürzester Zeit eine Zeitschrift zu einem Thema zusammenschustern, das man selbst nicht ansatzweise verstanden hat.
Wozu muss zum eigentlich recht löblichen Thema LOHAS eine Zeitschrift auf den Markt geworfen werden, wo ohnehin schon gewaltige Ressourcen für sinnlosen Zeitschriftenmüll verschwendet werden? Auch Recyclingpapier muss produziert werden.
Ich weine dem Ding jedenfalls nicht nach
Gerhard Zirkel