Tipps zur Kreativitätsfindung (01).
Dienstag, 31. Jul 2007 17:38 von Det Mueller

Gute Ideen sind in jeder Branche und in vielen Lebenssituationen willkommen. Doch viele Menschen fragen sich, ob sie überhaupt kreativ sind. Aber ja! Jeder Mensch ist kreativ, er kann es sogar trainieren. Ab heute beginne ich eine kleine Serie, die zeigen soll, wie kleine Tricks helfen, die eigene schöpferische Leistung zu intensivieren…
Kreativität ist keine Veranlagung, jeder Mensch trägt sie in sich. Ob sie immer gut ist und ob man damit Geld verdienen kann, berühmt wird oder nur selbst Freude daran haben will, ist eine Sache der Bewertung und steht hier zunächst nicht zur Diskussion. Mir geht es hier vorerst um den Schaffensprozess, um die schöpferische Leistungsfähigkeit als solche.
Ob ein Ingenieur eine unglaubliche Maschine konstruiert, eine Mutter liebevoll und ungewöhnlich den Mittagstisch deckt, ein Schüler im Feriencamp mit Stroh, Draht und Zweigen ein “Regal” ins Zelt zaubert, eine Poetin ein verzauberndes Gedicht schreibt, ein Gärtner einen verträumten Park anlegt, ein Steuerberater eine verbesserte Bilanz entwickelt oder eine Fotografin so wunderbare Fotos macht, das dem Betrachter die Seele überläuft - sie alle sind kreativ! Und sie alle haben etwas gemeinsam: sie nutzen Dinge, die jeder Mensch kennt und sehen kann, aber sie führen sie neuen Bestimmungen zu. Das heißt, sie nehmen Vertrautes und Bekanntes und setzen sie in einen geänderten Bezug zur Realität, und schaffen damit neue Ansichten…
Und das kann man lernen und perfektionieren: Jeder Mensch kann seine kreativen Anlagen schulen und weiter entwickeln. Wir Werbeleute machen ja unser Leben lang nichts anderes. Jeder neue Auftrag ist eine neue Herausforderung und gleichzeitig eine weitere Übung. Durch das “Müssen” haben Berufskreative zusätzlich Techniken entwickelt, ihre Wahrnehmung zu schulen und so schneller zu Lösungen zu kommen. Was aber nicht bedeutet, dass wir grundsätzlich schöpferischer sind als der Durchschnittsmensch und das unsere Ideen immer gut sind. Eher sind wir sogar schlechter dran, denn Druck und Zwang sind üble Kumpane, wenn es um die Findung neuer Ideen geht. Einige Tricks können da helfen:
Tipp 1: Lösungen entstehen im Gehen: Es gibt keine einzig richtige Art und Weise, kreativ zu sein. Kreativität ist ein lebendiger Prozess mit einer Vielzahl an Strategien, die je nach Umfeld und Mensch zu individuellen, kreativen Ergebnissen führen. Beispiel: Der Junge aus dem Camp. Er braucht eine Ablage in seinem Zelt. Also geht er auf die Suche nach den Dingen, die er noch nicht kennt, aber die hilfreich sein können, seinen Wunsch umzusetzen. Hammer und Nägel hat er nicht, aber er findet im Wald Äste, Draht und Stroh und schon hat er was er braucht. Das Finetuning (Entwurf, Plan, Ausführungsanweisung etc.) entsteht während des Schaffens. Dieser lebendige Prozess ist kreativ und entwickelt sich durch das Tun selbst!
Tipp 2: Wirklich gute Ideen brauchen Zeit, einen entspannten Geist und ein Ziel. Entsorgen Sie Ängste (ich kann das nicht), Druck (muss morgen fertig sein) und andere Einschränkungen (ich hab gar nicht das richtige Werkzeug; ich hab nur ein kleines Budget; der Kunde, die Eltern, das Umfeld… haben andere Vorstellungen etc.) definitiv aus ihrem Kopf. Geht es um eine private Lösung, lassen Sie ihr Bauchgefühl raus und folgen Sie ihrer Intuition. Ihr Ziel: Ihnen soll das Projekt Spaß machen.
Für berufliche Lösungen empfehle ich die besonders engagierte Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung oder dem Produkt. Je mehr Sie darüber wissen, sammeln, analysieren und damit dennoch spielerisch umgehen, desto müheloser fließen hochwertige Ideen. Wichtig: Verbannen Sie Ideenkiller aus ihrem Umfeld! Das sind Leute und eigene Gedanken mit negativ wertenden Aussagen wie: Daraus wird doch nie was! Das funktioniert doch nicht! Damit könnte ja jeder kommen! Das ist doch albern!
Tipp 3: Trainieren Sie täglich “anders” zu sehen. Schauen Sie genauer hin oder entrückter, verdrehen sie den Kopf, lassen Sie die Brille mal weg und erleben Sie alles unscharf. Was ich meine ist, entwöhnen Sie sich von ihren bisherigen Sehgewohnheiten. Auch innerlich! Gehen Sie mal in ein Museum und machen Sie es ganz anders: nicht alles anschauen, sondern nur ein oder zwei Bilder, die ihnen sehr gut gefallen. Setzen Sie sich davor. Schalten Sie die Umwelt aus und konzentrieren Sie sich nur auf dieses Bild. Tauchen Sie ein. In die Farben. In die Formen. Lassen Sie sich Zeit. Genießen Sie es für mindestens dreißig Minuten. Ich bin sicher, so haben Sie es noch nie gesehen und sie werden inspiriert und motiviert nach Hause fahren. Mit viel Lust auf Neues.
Profi-Createure machen das übrigens genauso. Ein Produkt hat nämlich aus Werbers Sicht niemals nur einen Nutzen oder eine Wahrheit. Nicht jede ist sinnvoll, aber man sollte sie kennen. Für uns gibt es bekannte Methoden-Tools, um eine Idee differenziert zu entwickeln und so Ungewöhnliches und Neues zu schaffen. Eine kleine Auswahl an trickreichen “Wahrnehmungsveränderungen”, die in vielen Situationen helfen können, soll das veranschaulichen:
- - Kombinieren und verbinden
- - Vergleichende Gegenüberstellung
- - Provokation und Schock
- - Perspektivwechsel
- - Persiflage und Parodie
- - Übertreibung
- - Alternative Anwendung
- - Doppeldeutigkeit
- - Metapher und Analogie
- - Drehung um 180 Grad
2 Beispiele dazu: Die Drehung um 180 Grad bedeutet nicht, dass Sie sich auf den Kopf stellen sollen - lach, nein das nicht, aber ihre Ideen! Das Gegenteil von Erwartetem tun, machen Sie das Letzte zuerst oder kehren Sie das Innere nach außen, verkleinern Sie Großes und umgekehrt, machen Sie Schreckliches schön und Schönes hässlich. So gab es mal in Spanien eine Nahrungsergänzung für Tiere mit Vitaminmangel. Auf dem Plakat jagte aber nicht der Gefährliche das Zarte, sondern ein überaus kraftvolles Zebra trieb den völlig verwirrten Hochgeschwindigkeitslöwen durch die Steppe. Unterhaltsam und mit sofort erkennbarer Produktidee!
Oder Sie stehen an einem Gewässer und wollen fotografieren. Wer sagt denn, dass die Spiegelung der Häuser und Bäume immer in der unteren Bildhälfte sein muß? Drehen Sie doch mal alles um 180° und machen Sie die Spiegelung zur neuen Bild-Realität. Der Effekt wird sie verblüffen!
Wird bald fortgesetzt…:::
Weitere Links zum Thema Kreativität:
Joachim Zischke : dialogus
Hannes Treichl : anders|denken
Renato Mitra : Mitrablog
Thomas Veit : tommyholidayblog
Jutta Kemperle : “Frische Zitronen”
Norbert Glaab : “Lebensfreude Blog”
Tipp: Der Schwamm oben im Foto stammt von Maegde und Knechte, Hamburg. Tolle Website! Sehr kreativ! Die Preiser Figuren hab ich draufgestellt und durch diese Kombination, d.h. durch die Verbindung von Dingen, die nicht zusammengehören entsteht eine neue Wirkung: “Lösungen entstehen im Gehen”!

der bewährteste tipp ist in dem zusammenhang: ablenkung. wenn die linke hirnhälfte mit motorik oder anderen dingen beschäftigt ist, kann die rechte, kreative aufblühen.
Lösungen entstehen im Gehen
Lieber Det,
ich nehme deinen Tipp gerne buchstäblich, denn er stimmt und funktioniert wirklich so. Und was für ein Zufall im Denken: Just in diesem Moment veröffentlichte ich im Kreativblog heureka! einen Gastbeitrag zu diesem Thema. Wie sich die Gedanken annähern … Wir sollten bald einmal das kreative Gehen zusammen ausprobieren
Beste Grüsse, Joachim
@ Jo
Ja Joachim, danke für den Kommentar, das Angebot und den Link. Klingt alles sehr interessant und prima. Und Zeit habe ich ja auch wieder mehr als mir lieb ist - eine Wanderung in der Lüneburger Heide mit innovativen Querdenkerkopfspielen sollte doch mal möglich sein… ;-))
@ Jochen
Ablenkung ist auch tatsächlich eine gute Methode. Und ich lenke mich gerne mit Deinem Blog ab, denn Du schreibst ja sehr häufig über wirklich schöne Geschichten mit Metaphern, die es in sich haben. Danke
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