LOHAS (01): Brave new world.
Mittwoch, 9. Mai 2007 13:33 von Det Mueller

Über LOHAS [Lifestyle of Health and Sustainability] den “Lebensstil, der sich an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientiert” wurde bereits einiges gepostet. Mein Beitrag soll helfen, diese wichtige Idee und diese Geisteshaltung weiter hinaus zu tragen. Aus der Feder des mit mir zeitgleich gereiften Zukunftsforschers Mathias Horx und den Autoren seines Frankfurter Zukunftsinstitutes, stammen einige, meiner Hintergrundinformationen. Man kann zum Thema eine aktuelle Studie käuflich erwerben, die ich mir mal angeschaut habe ( Bestellen s.u.). Auch wichtig, die Originalquelle aus den USA - hier.
Mit LOHAS kommt jetzt etwas auf uns zu, das beim Trend nicht bleiben wird. In wenigen Jahren, vielleicht in einem Jahrzehnt, wird es zu unser aller bestimmenden Lebenseinstellung werden. Indizien dafür sind allerorts gut zu erkennen. Viele leben LOHAS bereits, [ohne zu wissen, das es in Soziologie und Marketing so bezeichnet wird] weil sie möglicherweise intuitiv in ihrem Streben nach Authentizität schon eine Weile so handeln und folgende Definitionsparameter unbewußt auf ihre persönlichen Fahnen geschrieben haben:
- > postmateriell
- > Selfness / Wellness
- > spirituell
- > moralischer Hedonismus
- > medienkritisch
- > kulturinteressiert
- > Info-orinientiert
Sehr reduziert geht es einfach darum, einen Paradigmenwechsel, also einen gesamtgesellschaftlichen Wertewandel zu vollziehen. So weichen Status und Prestigedenken dem Streben nach mehr Lebensqualität. Die soziale Differenzierung weicht dem individuellen Wohlergehen. Konkurrenzdenken löst das Streben nach innerem Wachstum ab. Aus der Massengesellschaft erwacht eine Gesellschaft der Individuen. Luxusgüter werden als Fetisch abgetan und ersetzt durch den Wunsch nach mehr Service- und Erlebnisqualität. Unterm Strich ist der generelle Antrieb nicht das Mehrverdienen, sondern das Bedürfnis nach mehr persönlicher Zeit und positiven Werten.
Der frühere “Otto Normalverbraucher”, könnte also zukünftig “Otto Authentis” heißen und erstaunliche Wertvorstellungen für sich in Anspruch nehmen, wenn er es nicht sogar heute schon rege tut:
- > Qualität statt Discount
- > Authentizität statt Spaßgesellschaft
- > Spiritualität statt Glauben
- > Partizipation statt Repräsentation
- > Ankunft statt Steigerung
- > Werte statt Ironie
Nun könnte man kritisch anmerken, das alles sei ein alter Hut. Ähnliche Werte gab es schon mal. Mag sein, aber sicher nicht in den letzten 30 Jahren. Tatsächlich lebten Menschen und Firmen doch lange mit dem Ziel, durch Umsatz- und Einkommenssteigerungen mehr Macht und Ansehen zu gewinnen. Koste es was es wolle. Nach mir die Sintflut. Sie wissen schon “Mein Haus, Mein Auto, Mein Boot”. Der Klimawandel mit seinen vielen Katastrophen, die getarnten Kriege um knapper werdende Resourcen, das ewig gleiche, nichtsbewegende Politgeplänkel und die zahlreichen Industrieskandale mögen auch dafür gesorgt haben, das Viele ein anderes, ein wertschätzendes Denken an den Tag gelegt haben. Von mir geschätzte Bücher wie “Der Popcorn Report” oder “Simlyfy your Life” waren erste Vorboten…
Umdenken auch für die Industrie: In zehn Jahren werden die Umsätze der “LOHAS Betriebe” [Gute Sachen für eine gute Welt: Solartechnik, Windräder, Energiesparautos, Biolebensmittel etc. etc.] größer sein, als die der Schwerindustrie UND der Automobil-Industrie zusammen!!! Das fördert neue Arbeitsplätze. Und neue Denkstrukturen. LOHAS sind Zielgruppe und Macher einer neuen, aktiven Mitte..:::
Weitere Infos, Posts und Quellen:
ZukunftsInstitut und die LOHAS-Studie: “Hier bestellen”.
Christoph Harrach, Betriebswirt: “KarmaKonsum”
Peter Parwan: Die deutsche Homepage für LOHAS
Det Mueller: Das LOHAS Blog
Wolfgang Horbach: Die Chinesen nennen es “Glückliches Leben”
Hannes Treichl: “Was Crowdsourcing nicht ist“.
Der GesundheitsCoach: “Wie LOHAS sind Sie?”
Vom Bösen zum Guten: Karl Schweißfurth: “Hermannsdorfer”
Evas Rippe: “Die LOHAS, mehr als ein Trend!”
Spiegel Online, Trendforscher Wippermann: “Null Bock auf Umweltschutz”
Innovativ-in Business Club: “Lebst Du schon LOHAS?”

Der Wandel zu LOHAS wird rasant kommen. Wahrscheinlich lebt heute schon ein Großteil der Menschen so.
Beispiel: Der Spiegel-Artikel mit Trendforscher Wippermann ist vom 20.11.2006. Ich zweifle daran, dass die Aussagen heute - knapp ein halbes Jahr danach - noch genau so wären. Zwischenzeitlich dürfte auch dem Letzten klar geworden sein, dass wir mit unserem Verhalten den Klimawandel beschleunigen. Ein Umdenken und vor allem “Neues Handeln” ist angesagt. Das wird die Automobilindustrie ganz rasch merken.
Gewinner werden die sein, die Produkte und Dienstleistungen anbieten, die unsere Gesundheit fördern und durch Nachhaltigkeit auch unseren Kindern und Enkeln einen lebenswerten Planeten überlassen. Den Anderen (Krankmachern, Ressourcenausbeutern und Umweltzerstörern) sollten wir schnellstens die Unterstützung entziehen.
Dein Artikel ist toll geschrieben, jetzt verstehe ich, was LOHAS meint.
ABER:
Ich befürchte, dass sich LOHAS im Laufe der nächsten Jahre zu einem MODETREND entwickeln wird. Engagierte Menschen wird man von sog. Trittbrettfahrern kaum unterscheiden können. Viele - vielleicht sogar die meisten - werden sich mit sozialem Engagement und Engagement für die Umwelt brüsten und hiermit ihr Image aufpolieren. Es wird ein riesiger Geschäftemachboom mit LOHAS entstehen, und viele engagierte Menschen werden hierüber mehr als enttäuscht sein.
Ich werde meinen eigenen, mir persönlich wichtigen LOHAS-Weg weitergehen und in meiner eigenen kleinen Welt so viele Dinge wie möglich tun für ein besseres und gesünderes Leben. Und werde sicherlich einige Menschen auf diesem Weg mitnehmen können.
Na sowas, wie abgesprochen und schön - 2 gegenteilige Meinungen!
@Wolfgang
Danke für Deinen Kommentar, den ich wie immer sehr schätze, auch wenn ich heute glaube, das Du die Entwicklung vielleicht noch zu optimistisch siehst. Ein halbes Jahr ist ja keine wirkliche Spanne, aber ich hoffe und wünsche mir natürlich, das Du Recht behälst…
@Dori
Danke für das Kompliment, geliebte Frau. Zustimmen will ich auch Dir, denn Trittbrettfahrer gibt es immer und überall - aber ich glaube, es ist kein Grund zuuuu schwarz zu sehen. Grün ist besser. Und Du selbst lebst ja schon lange vor, wie man es machen kann! Ich bin sehr stolz auf Dich und Deinen “Erkenntnisweg”…
Let´s do it!
Sehr schön getexteter Bericht - danke für die Zusammenfassung, die ich auch auf meinem Blog http://excitinggreen.de zu dem Thema zitieren werde.
Ich lebe LOHAS und möchte auch andere inspirieren, mitzumachen.
Der 3. UN-Klimabericht zeigt deutlich die Notwendigkeit, dass wir unser Leben ändern müssen. Wenn dabei noch Genuß und Freude dabei ist, sind wir auf dem Weg in eine bessere Welt.
Herzliche Grüße vom LOHAS Blogger
Christoph
[…] Grund dieses Posts ist aber die Tatsache, dass ich heute im Zusammenhang mit der Qualität meines ersten LOHAS-Artikels eine - na sagen wir mal - gewisse öffentliche Würdigung erfahren durfte. “The Home of LOHAS” in Deutschland ist sicher die Adresse “LOHAS Lifestyle“. Dort wurde mein bescheidener Beitrag in der Presseschau 2007 direkt zwischen Financial Times Deutschland und der Berliner TAZ aufgenommen. Ich möchte mich bedanken mit den umgedrehten Worten von Neil Armstrong: “Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für mich.”…::: […]
[…] Ich möchte diese Frage gerne öffentlich beantworten, weil sie keineswegs unwissend oder gar lächerlich ist. Schließlich ist LOHAS, der [Lifestyle of Health and Sustainability] “Lebensstil, der sich an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientiert” in Deutschland unter diesem Begriff noch sehr frisch - in den USA aber schon seit mehr als 10 Jahren etabliert. Der Mittelstand und die Kleinbetriebe (KMU´s) sind seit jeher das Rückgrat der wirtschaftlichen Gesellschaft in unserem Lande. Betriebe dieser Kategorien, entwickelten aus der Not finanzieller Engpässe schon sehr früh eine hochstrukturierte Kunst des professionellen Improvisierens. Um regionale und globale Aufgaben zu bewältigen und weiterhin am Markt eine entscheidende Rolle zu spielen wurden KMU´s die Spezialisten für kreatives Denken, ungewöhnliche Ideen und mutige Innovationen. Beispiele gibt es genug, ich muß sie hier nicht aufzählen. Besonders der Mut andere Wege zu probieren und neugierig zu bleiben, ist hier eine viel größere Triebfeder als bei den großen, behäbigen und oft satten Konzernen. Das ist und war die riesige Chance des Mittelstandes, zumal sich jeder Mitarbeiter einbringen kann. […]
[…] Die Geschäfts- und Vermarktungschancen des Kaffees dürften ganz gut sein, liegt er immerhin ganz auf der LOHAS Schiene - und der Markt dafür ist ja bekanntlich nicht der kleinste, worauf auch das Zukunftsinstitut vor einiger Zeit in dieser Studie hingewiesen hat: Schon heute werden mehr als ein Drittel der Bevölkerung der westlichen Länder zu den LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) gezählt. Und die Chancen stehen gut, dass es mittelfristig die Hälfte der Bevölkerung sein wird. […]
[…] …bitte was? Zuerst war ich (beim Lesen des Blogs von H. Treichl) mit dieser Abkürzung völlig überfordert. Erst langsam kam Licht in die Sache…Wikipedia sorgte für Aufklärung: “LOHAS ist ein Marketingbegriff, steht für “Lifestyle of Health and Sustainability” und markiert einen neuen Lebensstil- bzw. Konsumententyp, der sich an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientiert.” Ein Anfang war gemacht! Ein paar Zeilen weiter stand zu lesen: “Er wird im “Natur- und Outdoor-Urlauber” genauso wie im Kunden von Biosupermärkten entdeckt.” Ok, nun konnte ich mir ungefähr vorstellen, was gemeint ist. Noch mehr Verständnis für diesen Bergriff erlangte ich aber erst, durch den Beitrag von Det Mueller. Für jeden der mehr über LOHAS wissen will, ist dieser Artikel als Einstieg zu empfehlen. […]