Altes Eisen.
Mittwoch, 3. Jan 2007 15:24 von Det Mueller

Spätestens seit Frank Schirrmachers Buch “Das Methusalem - Komplott” [Blessing 2003], sollte auch dem Letzten klar sein, daß unsere Gesellschaft ganz fürchterlich schnell altert, und daß das, sowohl im Marketing [Focus, 22.03.2004, “50+ Die Macht der neuen Alten“], als auch im persönlichen Leben gravierende Änderungen mit sich bringen wird.
Einen ebenfalls interessanten Aspekt dazu, beschreibt mein österreichischer Innovativ-in Business-Club Freund Hannes Treichl gewohnt spannend in seinem wunderbaren Blog zu dem Thema “Fernsehen entdeckt die Generation 55+”. Hier scheint sich zumindest in den USA etwas zum Thema zu bewegen.
Bei uns hingegen sind außer zahlreichen Büchern zum “OldieThema” kaum nennenswerte Veränderungen zu bemerken. Immer noch werden sehr junge Zielgruppen vorwiegend beworben und hoffiert. Sicherlich, es gibt Anfänge z.B. das Internet auch alten (…und behinderten) Menschen einfacher zugänglich zu machen (Stichwort “barrierefrei”). Nett. Und sicherlich gibt´s noch eine Handvoll weiterer, “netter Gesten”, wie auch die zunehmenden Diskussionen zum “würdevollen Sterben“. Aber das kann es nicht sein. Und das ist nicht was ich meine. Ich rede von Würde auch weit jenseits der 55+ und dazu gehört genauso das Recht zu arbeiten wie zu entscheiden und ein “Vollmitglied der Gesellschaft” zu sein.
Es macht mich mit meinen lausigen 54 Jahren doch mehr als ärgerlich, wenn weiterhin 85+jährige mit jedem 55+Menschen werbisch in den gleichen Topf geworfen werden. Immerhin 30 Jahre Unterschied! Oder es macht gar zornig zu beobachten, wie viele superaktive 55+Leute in den “wohlverdienten” Vorruhestand geschickt werden und somit zur Selbstaufgabe oder zum seelischen Siechtum verdammt werden. Viele könnten und wollten heute gerne wesentlich länger arbeiten! Aber in Deutschland achtet man ab 45 eher sehr genau auf die Altersangabe und das Foto in der Bewerbungsmappe, als auf die Leistung! Und das ist gotesk.
Ich bin der Meinung, daß es im Marketing und im “richtigen Leben” ernsthaft an der Zeit wäre, mehr Differenzierung in diese wunderbare Zielgruppe zu bringen, um ihre Qualitäten für unsere Gesellschaft möglichst lange zu erhalten und den Menschen viel länger ihre eigene Würde zu bewahren.
Denn alle haben darüberhinaus noch viel mehr zu bieten, nämlich etwas, was fast unbezahlbar ist: ausreichende Erfahrung.
Einen riesigen Berg Wissen und die Lust weiter mit anzupacken, wenn´s um Leidenschaft und die persönliche Herausforderung geht.
“Jeder von uns will das Gefühl haben, seinen Beitrag zu leisten und gebraucht zu werden”, sagt Hans Tünnessen, Gesellschafter der Symbit GmbH. Ihn traf ich zusammen mit seiner Frau Silvesterabend im Kloster Knechtsteden und fast automatisch kamen wir auf dieses Thema. Es beschäftige ihn schon länger und wir werden mal darüber gemeinsam nachdenken. Ich jedenfalls bin bereit und freue mich auf Gedanken und Modelle, auf Brainstormings natürlich auch von jungen Menschen…::

[…] Die Trailer waren bereits sehr spannend, obwohl es sicher ein Thema ist, das Viele innerlich verweigern. Ich bin jetzt 54 Jahre, mir geht es unter die Haut. Die Anzeichen dafür, daß dieser Film einmal sehr real werden wird, sind überdeutlich an vielen Stellen des alltäglichen Lebens jetzt schon zu spüren. Und ich werde etwas tun. Was, weiß ich noch nicht genau, aber es gibt Denkansätze (siehe Beitrag “Altes Eisen” von Detlef Mueller) und erste Lösungen (siehe Beitrag von Hannes Treichel “Shopping Paradies 50+”). […]
Lieber Detlef,
Dein Artikel spricht mir aus der Seele. Dzu passt auch der folgende Artikel aus “brandeins” welcher die u.a. das sterbende Rentensystem beleuchtet Einsame klasse”. Dieser Artikel steht auch als PDF zur verfügung..
Einfach auf den Punkt gebracht wo es hingeht - insbesondere für uns Freiberufler.
Lieben Gruß
Michael
Wir beschäftigen uns tagtäglich mit dem Thema Alter und freuen uns, wenn langsam aber sicher es zu einer Trendwende in der öffentlichen Wahrnehmung kommt!
So lange wir hier in dieser Stillhaltegesellschaft leben, wird sich an dem Bewusstsein nicht viel
ändern. Anstelle von Anti-Ageing für Körper und
Gesicht kann man auch Anti-Ageing für Geist
und Seele betreiben. Das hilft ungemein gegen
Ohnmachtsgefühle.